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UN-Klimagipfel: Droht bald das Ende von Gas und Öl?

30.11.2015

Foto UN-Klimagipfel: Was passiert mit Gas und Co.?Gas, Kohle und Öl sind die wichtigsten Energiequellen der Menschheit – für das Klima jedoch sehr gefährlich. Ganz gleich, was auf der Klimakonferenz in Paris beschlossen wird: Die Energiewirtschaft glaubt, dass fossile Träger noch viele Jahrzehnte gebraucht werden. PREISVERGLEICH.de gibt einen Überblick mit Fragen und Antworten.

Hamburg/Paris – Zwei Grad Celsius seit dem Beginn des Industriezeitalters – stärker darf sich die Erdatmosphäre nicht erwärmen, wenn die Folgen beherrschbar bleiben sollen. Darauf hat sich die Weltgemeinschaft verständigt. Ab diesen Montag (30. November) ringen die Staaten beim UN-Klimagipfel in Paris um ein verbindliches Abkommen. Hauptverursacher der Aufheizung sind die fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Gas. Sie müssten zu großen Teilen im Boden bleiben und dürften nicht mehr verbrannt werden. Ist das angesichts des Energiebedarfs der Menschheit realistisch?

Wie ist die Ausgangslage?

Gegenwärtig leben rund 7,3 Milliarden Menschen auf der Erde. Sie verbrauchten im vergangenen Jahr fast so viel Energie, wie umgerechnet in 13 Milliarden Tonnen Öl steckt. Der Verbrauch solcher Primärenergie aus fossilen Quellen erhöhte sich um 0,9 Prozent – ein relativ geringer Anstieg. In den letzten zehn Jahren lag die Zunahme des globalen Energieverbrauchs im Schnitt bei 2,1 Prozent pro Jahr.

Wie wird dieser weltweite Energieverbrauch gedeckt?

Der wichtigste Energieträger weltweit ist Erdöl mit einem Anteil von einem Drittel. Zusammengenommen decken die fossilen Energien 87 Prozent des weltweiten Bedarfs. Wasserkraft trägt sieben Prozent bei, die erneuerbaren Energien inzwischen zwei Prozent.

Wird der Energieverbrauch weiter steigen, oder kann er auch sinken?

Es gibt keine Indizien für einen sinkenden Energieverbrauch, wenn man den Vorhersagen multinationaler Organisationen und großer Konzerne folgt. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris rechnet zum Beispiel mit einem Wachstum des globalen Verbrauchs um ein Drittel bis 2040, BP mit einem Plus von 37 Prozent von 2013 bis 2035. Das sind 1,4 Prozent in jedem Jahr. Sparmöglichkeiten in Industrieländern und mehr Energieeffizienz sind in den Prognosen schon berücksichtigt.

Warum verbraucht die Welt immer mehr Energie?

In den Industriestaaten nimmt der Energieverbrauch nicht mehr zu, aber außerhalb der OECD vor allem in den Schwellenländern. Wichtiger Treiber ist die wachsende Weltbevölkerung. Sie soll von heute 7,3 Milliarden bis 2040 auf rund neun Milliarden Menschen steigen. Jeder benötigt Nahrung und Energie. Verstädterung ist ein mächtiger Trend, und Städter verbrauchen mehr Energie als Landbewohner. Die Menschen werden zudem wohlhabender: Während die Weltbevölkerung um 30 Prozent zunimmt, erhöht sich die Wirtschaftsleistung bis 2040 um 140 Prozent. Die globale Mittelklasse könnte sich bis 2030 auf 4,7 Milliarden Menschen mehr als verdoppeln – ebenso die Zahl der Autos bis 2040 auf 1,8 Milliarden. Das bedeutet rechnerisch ein zusätzliches Auto pro Sekunde, 25 Jahre lang. Dies alles treibt den Energieverbrauch nach oben: In 20 Jahren sollen es 17,5 Milliarden Tonnen Öleinheiten sein.

Lässt sich dieses Energiewachstum klimaneutral bewältigen?

Aus derzeitiger Sicht kaum. Es gibt zwar durchaus Anzeichen für eine globale Energiewende. Die Förderung von Öl und Gas wird teurer, erneuerbare Energie billiger. Aber das ist nicht durchgreifend. Nach dem Szenario der IEA werden bis 2040 rund 7,4 Billionen US-Dollar in regenerative Energien investiert. Das sind aber nur 15 Prozent der gesamten Investitionen in die globale Energieversorgung. Erneuerbare Energien werden vor allem für die Stromerzeugung eingesetzt. In der Industrie aber – zum Heizen sowie als Treibstoff für Autos, Schiffe und Flugzeuge – sind fossile Brennstoffe dagegen schwer zu ersetzen.

Wie wird sich nun der Verbrauch von fossilen Energien entwickeln?

Erdöl ist der wichtigste und auch der tendenziell knappste unter den fossilen Energieträgern. Sein Anteil am Energiemix wird sinken, weil der Ölverbrauch langsamer wächst als der gesamte Energieverbrauch. Gegenwärtig verbraucht der Planet 91 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl am Tag, im Jahr 2040 werden es „erst“ 108 Millionen Barrel sein. Vereinbar mit dem Klimaziel wären aber nur 80 Millionen Barrel – und langfristig gar kein Öl mehr. Auch der Verbrauch von Gas und Kohle wird weiter zunehmen. Jeder der drei fossilen Träger wird in 20 Jahren 26 bis 28 Prozent zur globalen Versorgung beitragen, zusammen ungefähr 82 Prozent. Erneuerbare Energien kommen auf acht Prozent.

Wie wirkt sich das auf den Ausstoß von CO2 aus?

Die CO2-Emissionen aus Energiekonsum dürften bis 2035 um ein Viertel steigen – trotz höherer Energieeffizienz, technischen Fortschritts und klimapolitischer Maßnahmen der Staaten. Der globale CO2-Ausstoß aus Energie dürfte dann bei rund 40 Milliarden Tonnen jährlich liegen, der deutsche Anteil daran bei geschätzten zwei Prozent.

Ist damit das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen?

Nein. Dazu müssten bis 2050 rund 80 Prozent der förderbaren Kohle, die Hälfte der Gasvorkommen und 30 Prozent des Erdöls im Boden bleiben. Und auch dann läge die Chance nur bei 50 Prozent.

Sind solche Prognosen nicht interessengeleitet und darum falsch?

Greenpeace wirft Shell und BP vor, sie unterschätzten das Wachstum erneuerbarer Energien und überschätzten die Möglichkeiten von CO2-Abscheidung und -Deponierung (CCS). Nun sind Prognosen über mehrere Jahrzehnte immer von Unwägbarkeiten und Risiken begleitet und treten kaum einmal ganz genau ein. Energiekonzerne analysieren die Märkte, um wahrscheinliche Entwicklungen vorherzusagen – und richten an diesen Analysen dann ihre Strategien und Investitionsentscheidungen aus. Sie haben in der Regel kein Eigeninteresse an falschen Prognosen, weil diese falsche Entscheidungen und damit Fehlinvestitionen nach sich ziehen könnten.

Text: dpa/pvg

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