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Netzagentur: Weniger garantierte Renditen für Gasnetze

12.10.2016

Bild GasWegen sinkender Garantierenditen für Strom- und Gasnetze werden auch die Gaspreise in Deutschland sinken. Rund 650 Millionen Euro weniger sollen es pro Jahr nach Expertenmeinung sein. Was für die Kunden gut klingt, wird von der Energiebranche kritisch gesehen. Denn damit würden Investoren abgeschreckt, so die Meinung der Wirtschaft.

Bonn – Gute Nachrichten für Strom- und Gaskunden: Die staatlich garantierten Renditen für Strom- und Gasleitungen sinken in den nächsten Jahren deutlich. Der Schritt erfolge im Interesse der Verbraucher und spiegele die seit längerem niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten wieder, kündigte der Präsident der Aufsichtsbehörde, Jochen Homann am Mittwoch an.

Kleine Einsparung für Gaskunden

Experten schätzen die Entlastung der Strom- und Gaskunden durch die Absenkung der Netzrenditen auf insgesamt 650 Millionen Euro pro Jahr. Für den Durchschnittshaushalt dürfte sich die Entlastung allerdings auf weniger als 10 Euro im Jahr beschränken.

Der Hintergrund der Neuregelung: Wenn Energiekonzerne oder Stadtwerke neue Strom- und Gasleitungen bauen, bekommen sie dafür staatlich garantierte Renditen. Bislang betrug der von der Bundesnetzagentur festgelegte Eigenkapitalzinssatz dabei 9,05 Prozent bei neuen Anlagen und 7,14 Prozent bei bestehenden. Künftig sinkt er auf 6,91 beziehungsweise 5,12 Prozent. Die neuen Zinsätze gelten für Gasnetzbetreiber ab 2018, für Stromnetzbetreiber ab 2019.

Proteste aus der Wirtschaft

Auf Bedenken stieß der Schritt der Aufsichtsbehörde beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Der nun von der Bundesnetzagentur festgelegte Zinssatz liege «auf einem der letzten Plätze in Europa», kritisierte der BDEW-Vorsitzende Stefan Kapferer. «Es bleibt abzuwarten, ob Investoren auf dieser Basis bereit sind, die erforderlichen Finanzmittel in Milliardenhöhe zügig bereitzustellen.» Verzögerungen beim Netzausbau könne sich Deutschland nicht leisten. Die Linken im Bundestag und der Ökostrom-Marktführer Lichtblick kritisierten dagegen die Absenkung als nicht ausreichend. Den Netzbetreibern werde weiterhin «eine Traumrendite» garantiert, klagte die energiepolitische Sprecherin der Linken, Eva Bulling-Schröter.

Netzagentur-Präsident Homann sagte dagegen, die Neuregelung entspreche dem internationalen Niveau und gewährleistete, dass Investitionen in die Netze weiterhin attraktiv blieben und die Netzbetreiber dir großen Herausforderungen der Energiewende stemmen könnten.

Ausbau der Gasnetze

Für Bau und Betrieb der Strom- und Gasnetze fallen nach Branchenschätzungen derzeit pro Jahr in Deutschland etwa 18 Milliarden Euro beim Strom und rund 5,5 Milliarden Euro beim Gas an. Die jährliche, vom Staat garantierte Rendite auf das eingesetzte Kapital liegt den Schätzungen zufolge bei etwa 2,5 Milliarden Euro branchenweit für Gast und Strom zusammen.

Text: dpa/pvg

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