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Nord Stream 2: Milliardenaufträge für Gas-Pipeline

27.10.2016

Bild Teure Aufträge, doch die Zeit drängtNord Stream 2 ist ein ehrgeiziges Projekt. Und so kennt man beim Betreiber, einer Gazprom-Tochter, auch keine Scheu, milliardenschwere Aufträge auszulösen. Auch wenn noch wichtige Genehmigungen für die Gas-Pipeline fehlen.

Die Gazprom-Tochter Nord Stream 2 AG treibt den Bau der zweiten Erdgas-Pipeline durch die Ostsee voran. Trotz noch fehlender Genehmigungen für die etwa 1200 Kilometer lange Röhre von Russland nach Deutschland hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge schon Aufträge im Wert von vier Milliarden Euro ausgelöst und damit die Hälfte der Gesamt-Investitionssumme vergeben.

Genehmigungen in Aussicht

Projektchef Henning Kothe zeigte sich am Donnerstag zuversichtlich, dass das in der EU umstrittene Vorhaben genehmigt werde. «Nord Stream 2 ist ein rein kommerzielles Projekt», sagte er in Sassnitz. Die Pipeline sei im gesamteuropäischen Interesse von großer Bedeutung.

Bauvorbereitungen auf Rügen

Auf der Insel Rügen waren die ersten Stahlrohre eingetroffen, die dort ab 2017 in einem Spezialwerk mit Beton ummantelt und für die Verlegung in der Ostsee vorbereitet werden sollen. Nord Stream 2 will die Pipeline Ende 2019 in Betrieb nehmen. Um diesen Zeitplan umsetzen zu können, sollen beide Einzelstränge zeitgleich verlegt werden. Den Baustart visiert das Unternehmen für Anfang 2018 an.

In Schweden beantragte das Unternehmen Mitte September den Pipeline-Bau. Die Genehmigungsanträge in Deutschland, Dänemark, Finnland und Russland sollen laut Kothe Anfang 2017 folgen. Der Doppelstrang werde nahezu parallel zur ersten Leitung verlaufen und in Lubmin anlanden.

Mit 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr soll die neue Trasse dieselbe Kapazität haben wie die erste Ostsee-Pipeline, die 2011 in Betrieb gegangen war. Die niederländische Gazprom Gerosgaz Holdings – ein Tochterunternehmen des russischen Energieriesen Gazprom  – hält alle Anteile an Nord Stream 2.

Kritik an Nord Stream 2

Das Vorhaben ist in der EU umstritten – nicht zuletzt wegen der Befürchtung, dass mit dem Bau einer weiteren Nord-Stream-Trasse die Abhängigkeit Westeuropas von russischen Gaslieferungen steigt. «Solange wir uns an die Richtlinien der Länder halten, sehe ich keinen Grund, dass die Pipeline nicht genehmigt wird», sagte Kothe.

Bei stabiler Nachfrage nach Erdgas in den kommenden Jahren und zugleich zurückgehender Produktion in Europa sowie Nordafrika müsse die entstehende Importlücke von 120 Milliarden Kubikmeter anderweitig ausgefüllt werden – entweder durch LNG-Lieferungen (Flüssigerdgas) oder russisches Pipeline-Gas. «Den entsprechenden Anteil der Lieferquellen wird der Markt entscheiden», meinte Kothe. Von Sanktionen gegen Russland sei das Projekt nicht betroffen.

Text: /pvg

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