20.04.2026

Regionale Unterschiede beim Gaspreis sind 2026 so groß wie seit Jahren nicht. Das hat viel mit Netzentgelten, Struktur der Netze und Wettbewerb der Gasanbieter zu tun. Wir erklären, warum manche Bundesländer deutlich mehr zahlen, wie sich der Gaspreis zusammensetzt und was Verbraucher jetzt mit einem Gaspreisvergleich tun können.
Im Frühjahr 2026 liegt der durchschnittliche Gaspreis für Haushalte in Einfamilienhäusern bei rund 11,1 Cent pro Kilowattstunde inklusive aller Preisbestandteile. Das ist deutlich weniger als auf dem Höhepunkt der Energiekrise, aber immer noch spürbar höher als vor 2021. Hinter diesem Durchschnitt verbergen sich jedoch große Unterschiede zwischen den Bundesländern: In einigen Regionen zahlen Haushalte mit 20.000 kWh Jahresverbrauch mehrere Hundert Euro mehr pro Jahr als in anderen.
Besonders auffällig: In strukturschwächeren oder ländlich geprägten Bundesländern im Osten und Norden sind die Kosten im Schnitt höher. In dicht besiedelten Regionen mit vielen konkurrierenden Gasanbietern sieht das etwas anders aus. Für Verbraucher bedeutet das: Der Wohnort hat 2026 einen messbaren Einfluss auf die Gasrechnung, aber innerhalb eines Bundeslandes ist noch viel über die Wahl des richtigen Gastarifs möglich.
Der Gaspreis setzt sich grob aus drei Bausteinen zusammen: dem eigentlichen Energiepreis (Beschaffung und Vertrieb), den Netzentgelten sowie staatlich veranlassten Steuern, Abgaben und Umlagen. Für Haushalte zeigt sich das in zwei zentralen Positionen auf der Rechnung: Arbeitspreis pro kWh und Grundpreis pro Monat. Während der Arbeitspreis vor allem durch Beschaffungskosten, Netzentgelte und Abgaben geprägt ist, deckt der Grundpreis Fixkosten wie Messung, Abrechnung und Teile der Netznutzung ab.
Den größten Anteil macht 'Beschaffung & Betrieb' mit 45,5 Prozent aus. Danach kommen 'Netzentgelte & Messung' mit einem Anteil von 23,2 Prozent. Der Anteil von 'Beschaffung & Betrieb' hat sich gegenüber dem Vorwert nicht verändert. Für Nutzer, die Energiekosten sparen wollen, ist es sinnvoll, nach günstigeren Anbietern bei Beschaffung & Betrieb zu suchen. Für Verbraucher mit hoher Nutzung sind die Netzentgelte entscheidend, weil sie 23,2 Prozent des Gaspreises ausmachen.
Laut aktuellen Analysen liegen Netzentgelte und sonstige Netzkosten inzwischen bei deutlich über einem Fünftel der Gesamtkosten und steigen in vielen Netzen spürbar an. Regionale Unterschiede bei den Netzentgelten sind auch beim Strom ein großes Thema. Die Wärmewende verschärft diesen Trend: Wenn immer mehr Haushalte auf andere Heizsysteme umsteigen, verteilen sich die Fixkosten der Gasnetze auf weniger Kunden, was die verbleibenden Gaskunden zusätzlich belastet. Gleichzeitig wirkt der nationale CO₂-Preis, der 2026 in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne liegt und den Gaspreis um bis zu rund 1,4 Cent pro kWh erhöhen kann.
Achten Sie beim Vergleich von Gastarifen nicht nur auf den nominellen Arbeitspreis, sondern auch auf Grundpreis, Laufzeit, Preisgarantie und Kündigungsfrist. Schon wenige Zehntelcent Unterschied beim Arbeitspreis können einen typischen Haushalt mit 20.000 kWh Jahresverbrauch um deutlich über 50 Euro im Jahr entlasten. In Kombination mit einem günstigeren Grundpreis ist der Effekt noch größer.
Exakte, tagesaktuelle Durchschnittspreise je Bundesland werden vor allem von Verbänden, Netzbetreibern und Auswertungen auf Basis veröffentlichter Grundversorgungstarife berechnet. Wie bei solchen Auswertungen üblich, arbeiten wir dabei mit Musterhaushalten (z. B. 20.000 kWh Jahresverbrauch) und beziehen die Preisblätter der Grundversorger sowie veröffentlichte Netzentgelte ein. Auf Basis dieser Analysen lassen sich die Bundesländer 2026 grob in vier Preisgruppen einordnen (Prognose- und Orientierungswerte, alle Angaben bezogen auf typische Endkundenpreise, inklusive Grundpreis und staatlicher Belastungen):
| Bundesland | Orientierungswert Gaspreis 2026 (ct/kWh, Musterhaushalt) | Einordnung | Hauptgrund / Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | ca. 11,3 | eher teuer | Hoher Anteil ländlicher Netze, teils höhere Netzentgelte; regionale Unterschiede zwischen Ballungsräumen und Fläche. |
| Bayern | ca. 11,0 | eher teuer | Weite Netzgebiete, teils hohe Netzkosten pro Kunde; Versorgung vieler Einfamilienhäuser im ländlichen Raum. |
| Berlin | ca. 10,6 | eher günstig | Dichtes Stadtgebiet, vergleichsweise niedrige spezifische Netzkosten, relativ intensiver Wettbewerb der Gasanbieter. |
| Brandenburg | ca. 11,2 | eher teuer | Dünn besiedelte Regionen, lange Leitungen, geringere Kundendichte; Netzentgelte schlagen überproportional zu Buche. |
| Bremen | ca. 11,6 | teuer | Kleines Netzgebiet, starke Abhängigkeit von wenigen Versorgern, im Schnitt hohe Netzkosten und relativ teure Grundversorgung. |
| Hamburg | ca. 11,0 | eher teuer | Stadtstaat mit dichten Netzen, aber kräftigen Anstiegen der Netzentgelte 2026; Unterschiede je nach Gastarif. |
| Hessen | ca. 11,1 | eher teuer | Mischung aus Ballungsräumen und ländlichen Netzen, stark differenzierte Netzentgelte je Netzgebiet. |
| Mecklenburg-Vorpommern | ca. 11,7 | teuer | Sehr dünn besiedelt, lange Leitungen, hohe spezifische Netzkosten; relativ wenig Wettbewerb bei Gasanbietern. |
| Niedersachsen | ca. 11,2 | eher teuer | Große Flächenländer mit vielen ländlichen Netzen, Netzentgelte teilweise deutlich über Bundesschnitt. |
| Nordrhein-Westfalen | ca. 10,9 | eher günstig | Dicht besiedelt, hoher Wettbewerb, viele alternative Gasanbieter und Online-Gastarife drücken die Durchschnittspreise. |
| Rheinland-Pfalz | ca. 11,2 | eher teuer | Viele kleinere Versorgungsgebiete, teils höhere Netzkosten, weniger Tarifvielfalt abseits der Städte. |
| Saarland | ca. 11,8 | teuer | Kleines Netz, laut aktuellen Auswertungen eine der höchsten Steigerungen bei den Netzentgelten 2026, starke Rolle der Grundversorgung. |
| Sachsen | ca. 11,7 | teuer | Höhere Netzentgelte in vielen Regionen, relativ wenig regionale Anbieter, durchschnittlich hohe jährliche Gesamtkosten. |
| Sachsen-Anhalt | ca. 11,6 | teuer | Dünn besiedelt, steigende Netzentgelte, begrenzter Wettbewerb; teils deutlich über dem Bundesdurchschnitt. |
| Schleswig-Holstein | ca. 11,5 | teuer | Ländlich geprägt, lange Leitungswege, hohe Netzkosten; 2026 überdurchschnittliche Anstiege der Netzentgelte. |
| Thüringen | ca. 11,5 | teuer | Laut aktuellen Analysen kräftige Zuwächse bei den Gasnetzentgelten, viele kleinere Netzgebiete und begrenzter Wettbewerb. |
Die Werte sind als Orientierungsrahmen zu verstehen: Innerhalb eines Bundeslands können einzelne Städte und Netzgebiete deutlich nach oben oder unten abweichen. Klar ist jedoch: Teure Regionen sind fast immer durch hohe Netzentgelte, geringe Kundendichte und weniger Tarifwettbewerb geprägt, während günstigere Regionen von dichten Netzen und einer großen Auswahl an Gasanbietern profitieren.
Mehrere Faktoren erklären, warum die obigen Bundesländer so unterschiedlich abschneiden.
Für Verbraucher ist wichtig zu wissen: Hohe regionale Netzentgelte lassen sich nicht direkt beeinflussen, aber der Teil des Gaspreises, der vom gewählten Gastarif abhängt, bleibt ein relevanter Hebel.
Auch in teureren Bundesländern lässt sich die persönliche Gasrechnung oft deutlich drücken, wenn man aktiv wird. Ein erster Schritt ist, die aktuelle Jahresabrechnung zur Hand zu nehmen und den dort genannten Arbeitspreis (ct/kWh) und Grundpreis mit Alternativen zu vergleichen.
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Rohdaten
| Bestandteile | Anteil in Prozent |
|---|---|
| Netzentgelte & Messung | 23.2 |
| Mehrwertsteuer | 15.9 |
| CO2-Preis | 10.3 |
| Erdgassteuer | 5 |
| Sonstiges | 0.3 |
| Beschaffung & Betrieb | 45.5 |
Quellen: Bundesregierung | BDEW | Bundesnetzagentur