05.06.2026

Hohe Gaspreise schlagen nicht nur direkt auf die Heizkosten durch, sondern verteuern entlang der gesamten Wertschöpfungskette Produktion, Transport und Dienstleistungen. Diese Effekte kommen oft mit Verzögerung bei den Verbraucherpreisen an. Zuerst in der Industrie, dann bei Vorprodukten und schließlich bei Alltagsgütern und Bauleistungen. In den nächsten 12 bis 24 Monaten rechnen viele Analysten mit einer insgesamt moderaten Inflation um etwa 2 %, wobei Energiepreise, insbesondere Gas, ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor nach oben bleiben.
Gas ist in Deutschland ein zentraler Energieträger für die Industrie, etwa in Chemie, Metall, Glas und der Lebensmittelverarbeitung, und zugleich wichtiger Brennstoff für viele Heizungen in Haushalten und Gewerbe. Weil Gaskraftwerke häufig die teureren Kraftwerke im System sind, können hohe Gaspreise zudem über das sogenannte Merit-Order-Prinzip den Strompreis mit nach oben ziehen, auch wenn viel günstiger Wind- und Solarstrom eingespeist wird. Das erklärt, warum ein konsequenter Gaspreisvergleich und Strompreisvergleich für Verbraucher zunehmend zum Standardwerkzeug werden sollte, um Energiekosten zu begrenzen.
| Branche | Typische Gasnutzung | Einfluss auf Gaspreis | Mögliche Auswirkungen auf Endpreise in 12–24 Monaten |
|---|---|---|---|
| Chemische Industrie | Prozesswärme, Rohstoff (z. B. Dünger) | Sehr hoch | Teurere Kunststoffe, Dünger, Reinigungs- und Alltagsprodukte |
| Metall / Stahl | Prozesswärme, Schmelzen | Hoch | Höhere Baupreise, Maschinen- und Fahrzeugkosten |
| Glas / Keramik | Brennöfen, Prozesswärme | Hoch | Teurere Fenster, Flaschen, Keramikprodukte |
| Lebensmittelverarbeitung | Backen, Kochen, Kühlen, Trocknen | Mittel bis hoch | Steigende Preise bei Brot, Fertig- und Tiefkühlprodukten |
| Bauwirtschaft | Energie für Materialproduktion, Trocknung | Mittel bis hoch | Teurere Rohbau- und Sanierungsprojekte |
| Gewerbe / Dienstleistungen | Heizen, Warmwasser, teils Backöfen | Mittel | Höhere Preise in Gastronomie, Bäckereien, Wellnessangeboten |
| Private Haushalte | Heizen, Warmwasser (Gasheizung) | Direkt abhängig | Schwankende Heizkosten und Nebenkosten |
Im Kern lässt sich die Wirkung in zwei Schritten zusammenfassen: Zuerst steigen durch höhere Gaspreise die Kosten für energieintensive Unternehmen und ihre Vorprodukte, dann werden diese Mehrkosten – je nach Wettbewerb – schrittweise in Richtung Endkunden weitergereicht. Besonders betroffen sind Branchen, die viel Prozesswärme benötigen oder Gas als Rohstoff einsetzen, etwa Chemie (Dünger, Kunststoffe), Metall, Glas und verarbeitende Lebensmittelindustrie.
| Stufe | Typische Gasabhängigkeit | Zeitverzug bis Preiswirkung | Erwartbare Folge 12–24 Monate für Verbraucher |
|---|---|---|---|
| Gasbeschaffung (Großhandel) | Direkt, sehr hoch | Tage bis Wochen | Schwankende Basis für künftige Gastarife |
| Industrieenergie (Prozesswärme) | Hoch (Chemie, Metall, Glas) | Wochen bis wenige Monate | Teurere Grundstoffe, weniger Sonderrabatte |
| Vorprodukte (Dünger, Stahl, Glas) | Mittel bis hoch | Einige Monate | Bau- und Lebensmittelpreise unter Aufwärtsdruck |
| Güter des täglichen Bedarfs | Mittel (über Vorprodukte) | 3–12 Monate | Schrittweise Preissteigerungen im Supermarkt und Einzelhandel |
| Bau- und Sanierungsprojekte | Mittel bis hoch | Monate bis über ein Jahr | Höhere Angebote, mehr Nachträge, kürzere Preisbindungen |
| Dienstleistungen (Handwerk etc.) | Mittel (Energie + Material) | Monate | Steigende Stundenlöhne und Materialpauschalen |
| Haushaltsenergie (Gastarife) | Direkt | Vertragsabhängig | Tarifwechsel und Preisanpassungen bei Neuabschlüssen/Auslauf |
| Haushaltsstrom (Stromtarife) | Indirekt, via Merit-Order | Einige Monate | Unterschiedliche Strompreise – Vergleich „billiger Strom“ wichtig |
Wohnen und Heizen bleiben für viele Haushalte ein zentraler Kostenfaktor. Obwohl die Großhandelspreise deutlich unter dem Niveau des Krisenjahres 2022 liegen, sorgen CO₂-Preis, Netzentgelte und geopolitische Risiken weiterhin für Unsicherheit. Besonders bei Neuabschlüssen, nach dem Ende von Preisgarantien oder bei Tarifwechseln können sich höhere Kosten bemerkbar machen. Daher lohnt es sich, regelmäßig aktuelle Gastarife zu prüfen und zu vergleichen.
Auch bei Lebensmitteln, im Alltag sowie beim Bauen und Sanieren wirken hohe Gaspreise oft zeitverzögert nach. Energieintensive Produktion, Kühlung und gasbasierte Vorprodukte wie Dünger halten den Kostendruck auf viele Produkte aufrecht. Gleichzeitig bleiben Baustoffe wie Zement, Stahl, Ziegel und Glas von hohen Energiekosten abhängig. In den kommenden ein bis zwei Jahren sind daher weiterhin höhere Preise, häufigere Preisanpassungs-Klauseln und eine eingeschränkte Planungssicherheit zu erwarten. Auch Handwerker, Bäckereien, Gastronomie und andere energieintensive Dienstleistungen dürften steigende Energie- und Materialkosten zumindest teilweise an Kunden weitergeben.
In den nächsten Monaten bis Jahre bleiben Gaspreise ein wichtiger Inflationstreiber, nicht nur über Heizkosten, sondern auch über Industrie, Vorprodukte und den Strommarkt. Deshalb lohnt es sich, Energiekosten ganzheitlich zu betrachten und mit einer Kombination aus Tarifstrategie und Effizienzmaßnahmen auf Preisschwankungen zu reagieren.
Gas bleibt voraussichtlich ein wichtiger Treiber der Inflation. Zwar hat sich der Markt beruhigt, doch geopolitische Konflikte, Wetterextreme, CO₂-Kosten und Netzinvestitionen können weiterhin für Preisschwankungen sorgen.
Für Verbraucher bedeutet das: In den nächsten 12 bis 24 Monaten ist eher mit einem schwankenden, aber erhöhten Preisniveau zu rechnen als mit einer Rückkehr zu Vorkrisenpreisen. Transparente Gastarife, ein passender Gasanbieter, günstige Stromtarife und mehr Energieeffizienz helfen, Kosten zu begrenzen.
Quellen: Statistisches Bundesamt | BDEW | Bundesnetzagentur | DIHK | Hans-Böckler-Stiftung

Alexander Schmiel
Als Experte für Strom und Gas behält Alexander die News im Energiesektor im Blick. Entwicklungen auf den Energiemärkten, Kostenfragen und Vergleiche werden anschaulich erklärt und alltagstauglich aufbereitet.