07.05.2026

Deutschland schlittert in eine neue Energiekrise: Wegen der Blockade der Straße von Hormus fehlt im Mai erstmals das Gas aus Katar. Die Speicher sind nur zu 26,5 % gefüllt und die Preise schnellen nach oben. Gleichzeitig bremst die Bundesregierung ausgerechnet jetzt den Ausbau erneuerbarer Energien aus: Über 3.300 Unternehmen protestieren gegen das neue Netzpaket, das Solar- und Windkraftanlagen den Anschluss-Vorrang streicht. Am 13. Mai entscheidet das Bundeskabinett über das umstrittene Kraftwerksgesetz.
Die fehlenden Flüssiggas-Lieferungen aus dem Persischen Golf werden im Mai erstmals in Deutschland massiv spürbar. Der Der letzte LNG-Tanker aus Katar erreichte Ende März europäische Häfen. Seitdem ist die Straße von Hormus wegen des Iran-Konflikts blockiert. Mit einer Transportzeit von sechs bis sieben Wochen zeigen sich die Auswirkungen erst jetzt. Die deutschen Gasspeicher sind aktuell nur zu 26,5% gefüllt (Stand: 2. Mai 2026). Das ist ein historisch niedriger Wert für diese Jahreszeit. Zum Vergleich: In den Jahren 2018 bis 2021 lagen die Speicher Anfang Mai regelmäßig zwischen 40 und 55 Prozent.
Die Gaspreise an der EU-Börse reagierten bereits deutlich: Sie stiegen auf 74 Euro pro Megawattstunde. Das entspricht einem Plus von 104 % gegenüber den Werten von Januar und Februar 2026. Täglich fehlen Europa derzeit drei bis vier LNG-Tanker, die normalerweise aus Katar kommen würden. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) meldet zwar "Einspeicherungen auf gutem Niveau" an den deutschen LNG-Terminals, doch die Mengen reichen nicht aus, um die Katar-Ausfälle vollständig zu kompensieren.
| Faktor | Wert / Lage | Einordnung |
|---|---|---|
| Letzter LNG-Tanker aus Katar | Ende März 2026 in Europa eingetroffen | Seitdem kein Nachschub aus dieser Route |
| Ursache der Unterbrechung | Blockade der Straße von Hormus (Iran-Konflikt) | zentrale Transitroute für LNG |
| Zeitverzögerung Wirkung | 6–7 Wochen | Effekte zeigen sich zeitversetzt im Mai |
| Fehlende LNG-Tanker | 3–4 pro Tag | fehlen aktuell im europäischen System |
Europa benötigt nach Branchenberechnungen mindestens 130 LNG-Tankerladungen pro Monat, um bis zum Herbst einen Speicherfüllstand von 80 % zu erreichen. Derzeit kommen aber nur etwa 120 Tanker an. Die USA haben ihre Lieferungen deutlich erhöht, doch die Exportanlagen laufen bereits mit über 100 % ihrer Nennkapazität. Der US-Marktanteil am europäischen LNG-Import würde auf rund 70 % steigen: eine neue, kritische Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten.
Verschärft wird die Lage durch den Preiskampf mit asiatischen Abnehmern: China, Japan und Südkorea konkurrieren ebenfalls um freie LNG-Kapazitäten auf dem Weltmarkt. Die Bundesnetzagentur betont zwar, dass "auf dem Weltmarkt ausreichend Erdgas verfügbar" sei und "genug Möglichkeiten zum Import" bestünden. Doch Experten warnen: Falls die Blockade der Straße von Hormus weitere zwei bis vier Monate anhält, könnte Deutschland im Herbst mit kritisch niedrigen Speicherständen in die Heizsaison starten.
Ausgerechnet in dieser Situation plant Wirtschaftsministerin Katherina Reiche eine drastische Änderung beim Netzausbau: Das sogenannte Netzpaket sieht vor, dass neue Wind- und Solaranlagen in überlasteten Netzgebieten künftig keinen Vorrang mehr beim Netzanschluss erhalten. Stattdessen sollen sie in eine Warteschlange eingereiht werden, gleichberechtigt mit konventionellen Kraftwerken und Industrieanlagen. Über 3.300 Unternehmen aus der Energiewirtschaft haben bereits gegen diese Pläne protestiert.
Am 13. Mai 2026 will das Bundeskabinett sowohl das Kraftwerksgesetz (auch Stromversorgungskontinuitätsgesetz genannt) als auch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz beschließen. Das Wirtschaftsministerium hat die Länder- und Verbändeanhörung auf wenige Tage begrenzt, um den straffen Zeitplan einzuhalten. Kritiker werfen der Regierung vor, die Energiewende zum falschen Zeitpunkt auszubremsen: Während die Gasabhängigkeit durch die Iran-Krise wieder dramatisch sichtbar wird, behindere man den Ausbau heimischer erneuerbarer Energien.
Parallel dazu plant die Bundesregierung den Bau neuer, flexibler Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt zwölf Gigawatt als Reserve für Zeiten, in denen Wind- und Solarenergie nicht genügend Strom liefern. Die Anlagen sollen zunächst mit Erdgas und später mit Wasserstoff betrieben werden. Auch dieses Vorhaben stößt jedoch auf Kritik: Die Energiebranche sieht insbesondere bei Sicherheitsleistungen, Vertragsstrafen und dynamischen Netzentgelten problematische Punkte.
| Kategorie | Preis | Einordnung |
|---|---|---|
| Neukunden-Tarif | 23,69 ct/kWh | günstiger Marktpreis bei Wechsel |
| Bestandskunden / Standardtarif | 32,8 ct/kWh | typisches „Nicht-Wechsler“-Niveau |
| Grundversorgung (typisch) | ~40–46 ct/kWh | teuerste Standardversorgung |
| Preisvorteil Wechsel | bis zu −40 % | Ersparnis durch Tarifwechsel |
Für Stromkunden gibt es aktuell eine Atempause: Der Preis für Neukunden liegt Anfang Mai bei 23,69 Cent pro Kilowattstunde. Das sind 14 % weniger als im Mai 2025. Bestandskunden zahlen allerdings im Durchschnitt noch 32,8 Cent und sollten dringend einen Stromtarif-Vergleich durchführen. Die Bundesnetzagentur prognostizierte für 2026 zunächst "stabile oder sinkende" Strompreise, doch die Großhandelspreise sind wegen des Iran-Konflikts bereits auf 140 Euro pro Megawattstunde gestiegen: ein Plus von 36 % seit Jahresbeginn.
Bei Gas sieht es deutlich kritischer aus: Die Gaspreise ziehen massiv an und liegen mit 74 Euro pro Megawattstunde mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn. Verbraucher sollten jetzt ihren Gastarif überprüfen und gegebenenfalls wechseln. Insbesondere dann, wenn der aktuelle Vertrag noch auf alten Preisen basiert. Ein Gaspreisvergleich lohnt sich: Die Spreizung zwischen günstigsten und teuersten Tarifen beträgt derzeit bis zu 30 %.
Hinzu kommen steigende Netzentgelte: In den vergangenen fünf Jahren sind sie bereits um 50 % gestiegen. Experten prognostizieren eine Verdopplung bis 2045. Diese Kosten werden unabhängig vom gewählten Stromanbieter oder aktuellen Gasanbieter fällig und machen mittlerweile etwa ein Viertel der Gesamtrechnung aus.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die EU-Gasspeicher trotz Iran-Krise ausreichend gefüllt werden können. Währenddessen trifft die Bundesregierung mit dem Netzpaket eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft der Energiewende.
Quellen: Bundesnetzagentur | BDEW | ZFK | Bundestag

Alexander Schmiel
Als Experte für Strom und Gas behält Alexander die News im Energiesektor im Blick. Entwicklungen auf den Energiemärkten, Kostenfragen und Vergleiche werden anschaulich erklärt und alltagstauglich aufbereitet.