27.01.2026

Die deutschen Erdgasspeicher sind für diese Jahreszeit außergewöhnlich niedrig gefüllt. Laut Branchenzahlen waren die Speicher nur noch zu 42,3 % gefüllt – im Vergleich zu rund 65 % zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Das sorgt am Gasmarkt für Aufmerksamkeit, weil Speicherstände gerade im Winter als wichtiger Puffer gelten. Gleichzeitig gibt die Bundesnetzagentur in ihrem aktuellen Lagebericht weiterhin Entwarnung: Die Gasversorgung in Deutschland sei stabil, die Versorgungssicherheit gewährleistet. Als Gründe nennt die Behörde unterschiedliche Importmöglichkeiten, über Pipelines (insbesondere aus Norwegen) sowie über LNG-Terminals (Flüssigerdgas-Terminals). Ein anhaltend kalter Winter kann die Lage allerdings schnell verändern, weil die Speicher dann deutlich schneller sinken. Lesen Sie hier, wie die niedrigen Speicherstände einzuordnen sind und was sie für Gaspreise und Haushalte bedeuten könnten.
In den kalten Januartagen ist der Gasverbrauch temperaturbedingt gestiegen, bei Haushalten, Gewerbe und Industrie. Dazu kam laut Bericht eine ungewöhnlich hohe Stromnachfrage, unter anderem durch elektrisch betriebene Heizsysteme. In der zweiten Januarwoche wurde in Deutschland so viel Strom verbraucht wie seit zwei Jahren nicht innerhalb einer Woche. Weil Wind- und Solarstrom an diesen Tagen kaum zur Versorgung beitrugen, mussten Gaskraftwerke stärker einspringen. Dem Bericht zufolge erreichten sie in der zweiten Januarwoche 2026 mit mehr als 2,3 Milliarden kWh die höchste Wochenproduktion seit Jahrzehnten.
Die Betreiber der Erdgasspeicher hatten bereits im November darauf hingewiesen, dass Deutschland mit einem unerwartet niedrigen Speicherfüllstand in die Heizperiode gegangen ist. Nach Einschätzung der Initiative Energien Speichern reiche die Speicherbefüllung „für den Fall eines extrem kalten Winters“ trotz neuer LNG-Importkapazitäten nicht aus.
Ein wichtiger Hintergrund: Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr die vorgeschriebenen Mindestfüllstände für Speicher gesenkt, mit dem Ziel, Kosten im Gassektor zu reduzieren. Die Vorgaben wurden per Verordnung angepasst: Statt 90 % müssen die meisten Speicher am 1. November inzwischen nur noch 80 % erreichen; einige definierte Speicher sogar 45 %. Diese Spielräume nutzten Marktakteure im vergangenen Sommer, weil die teuren Gaspreise am Weltmarkt das Einspeichern weniger attraktiv erscheinen ließen. Laut Bericht lag der maximale Speicherfüllstand im Sommer bei 77 % (Sommer 2024 waren Speicher deutlich voller).
Die Gasspeicher sind aktuell nur noch zu etwa 106 TWh befüllt, obwohl sie laut Bericht insgesamt rund 250 TWh fassen könnten. In den Wintermonaten liegt der durchschnittliche Tagesbedarf laut Bericht bei rund 4 TWh. Rein rechnerisch wäre das aktuell gespeicherte Gas ohne Nachlieferungen nach gut drei Wochen aufgebraucht.
Wichtig ist dabei: In der Realität wird Deutschland laufend über Importe versorgt. Genau deshalb bewertet die Bundesnetzagentur die Lage derzeit als stabil. Trotzdem gilt: Bei anhaltender Kälte können Speicherstände schnell weiter fallen, was die Situation spürbar anspannen kann. Einen Überblick über deutsche Gasimporte finden Sie in der folgenden Grafik.
Deutschland bezieht seit Ende August 2022 laut Bericht kein Erdgas mehr aus Russland. Seitdem spielt LNG eine größere Rolle. Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden 2025 106 TWh Erdgas über deutsche LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran importiert. Das entsprach einem Anteil von 10,3 % an den gesamten deutschen Gasimporten. Politisch wird inzwischen diskutiert, ob Energieimporte aus den USA in Konfliktlagen ein Risiko darstellen können.
Die deutschen Gasspeicher sind für Januar ungewöhnlich leer. Gründe sind kalte Tage, hohe Nachfrage und eine starke Nutzung von Gaskraftwerken bei gleichzeitig schwacher Wind- und Solarstromerzeugung Die Bundesnetzagentur bewertet die Gasversorgung derzeit als stabil. Dennoch kann ein anhaltender Kälteeinbruch die Speicherstände schneller reduzieren. Für Verbraucher lohnt es sich, Gaspreise und Gaskosten im Blick zu behalten und Tarife regelmäßig zu prüfen.

Silvia Lehrack
Als Expertin für Energievergleiche beleuchtet Silvia aktuelle Trends rund um Strom, Gas und Energiekosten – praxisnah, verständlich und immer am Puls der Zeit.