30.04.2026

Der Iran‑Konflikt und die Blockade der Straße von Hormus sorgen seit Wochen für Nervosität an den Energiemärkten. Für Haushalte stellt sich die Frage, ob jetzt ein neuer Gastarif mit Preisgarantie sinnvoll ist oder ob Abwarten die bessere Option bleibt.
Im Folgenden skizzieren wir drei realistische Szenarien von „Deeskalation light“ bis „Worst Case“ und zeigen, was das jeweils konkret für Folgen haben könnte. Am Ende geht es darum, wie sich Verbraucher schon im Mai bestmöglich auf den Winter 2026/27 vorbereiten können.
Ende Februar eskalierte der Konflikt zwischen Iran, den USA und Israel militärisch. In der Folge drohte Iran, Schiffe in der Region anzugreifen, während die USA mit Marinepräsenz und Kontrollen reagierten. Die Straße von Hormus, durch die ein bedeutender Teil des weltweiten Öl- und LNG‑Verkehrs fließt, wurde zeitweise faktisch blockiert oder nur eingeschränkt befahrbar.
Die Folge: Öl- und Gaspreise an den Weltmärkten sprangen binnen weniger Tage deutlich nach oben. Der europäische Gasleitpreis legte massiv zu, die Schwankungen nahmen spürbar zu. Gleichzeitig betonen EU und nationale Behörden: Die Gasversorgung in Europa gilt weiterhin als gesichert, aber die Energiepreise dürften für längere Zeit erhöht bleiben.
Europa startet 2026 mit deutlich niedrigeren Gasspeicherständen in die Einspeisesaison als in den Vorjahren. In vielen Analysen ist von einem historisch niedrigen Niveau im späten Winter die Rede. Das heißt: Die Puffer, die in vergangenen Jahren vor Lieferausfällen oder Preisspitzen geschützt haben, sind dieses Mal dünner.
Parallel dazu schwanken die Großhandelspreise für Gas stark. An einzelnen Tagen führen Nachrichten über gescheiterte Verhandlungen oder neue Zwischenfälle im Persischen Golf zu zweistelligen prozentualen Ausschlägen. Für Endkunden mit laufenden Gastarifen sind diese Bewegungen noch nicht vollständig angekommen. Sie entscheiden aber mit darüber, wie teuer neue Verträge im Mai und im weiteren Jahresverlauf werden.
| Kennzahl | EU gesamt | Deutschland |
|---|---|---|
| Speicherfüllstand (später Winter) | deutlich unter Vorjahresniveau | historisch niedriger Start in die Saison |
| Großhandelsniveau Gas | klar über Jahresbeginn, volatil | ähnliche Entwicklung wie EU |
| Politische Bewertung | Versorgung gesichert, Preise hoch | „angespannt, aber beherrschbar“ |
In einem vergleichsweise günstigen Szenario gelingt in den kommenden Monaten eine brüchige Deeskalation. Eine Waffenruhe hält zumindest teilweise, die Straße von Hormus bleibt zwar ein Risikofaktor, ist aber überwiegend für den Handel passierbar. LNG‑Lieferungen aus der Golfregion normalisieren sich, auch wenn Versicherungskosten und Frachtraten hoch bleiben.
Die Großhandelspreise für Gas könnten sich in diesem Fall im Laufe des Jahres wieder etwas von den aktuellen Spitzen lösen. Sie würden sich auf einem Niveau einpendeln, das über der Zeit vor der Krise liegt, aber deutlich unter den Höchstständen der vergangenen Wochen. Die Gasspeicher in Europa hätten dann eine realistische Chance, bis zum Herbst auf komfortable Füllstände zu kommen.
Im zweiten Szenario bleibt die Lage in der Straße von Hormus über Monate instabil. Phasen relativer Ruhe wechseln sich mit neuen Zwischenfällen, Drohungen und begrenzten Blockaden ab. Jede neue Eskalation sorgt für Nervosität an den Märkten und schlägt sich unmittelbar in den Preisen nieder.
Energieversorger und Beschaffer reagieren darauf, indem sie Risikoaufschläge in ihre Kalkulationen einpreisen. Sie sichern Gas oft früher und zu höheren Preisen ab, um Lieferausfälle zu vermeiden. Für die Gasspeicher bedeutet das: Sie füllen sich, aber langsamer und teurer. Die Füllstände zum Winter 2026/27 könnten unter den Wunschmarken der Politik bleiben.
Konsequenzen für Haushalte in Europa und Deutschland
| Szenario | typischer Neuvertrag (ct/kWh) | Grundversorgung (ct/kWh) | Risiko für Winter 26/27 |
|---|---|---|---|
| Deeskalation light | ca. 9–11 | ca. 11–13 | moderat, gut beherrschbar |
| Stop and Go | ca. 11–13 | ca. 13–15 | erhöhtes Nachzahlungsrisiko |
| Worst Case | >13 | >15 | struktureller Preisschock möglich |
Im Worst-Case-Szenario scheitern Verhandlungen dauerhaft, der Konflikt weitet sich aus und die Straße von Hormus bleibt über lange Zeiträume gefährlich oder nur eingeschränkt befahrbar. Zusätzlich kommt es zu schweren Schäden an kritischer Öl- und LNG‑Infrastruktur in der Golfregion. Teile der Exportkapazitäten stehen nicht nur Wochen, sondern womöglich Jahre lang nur begrenzt zur Verfügung.
Für Europa würde das keinen unmittelbaren physischen Gasmangel bedeuten, aber eine anhaltende und kräftige Verknappung am Weltmarkt. LNG‑Ströme müssten dauerhaft umgeleitet werden, verfügbare Tanker würden knapper und teurer. Die Folge wäre ein neues, deutlich höheres Normalniveau der Großhandelspreise. Die Gasspeicher ließen sich dann zwar noch füllen, aber nur mit erheblichem finanziellen Aufwand und womöglich nicht mehr auf die Zielwerte, die sich die EU gesetzt hat.
In diesem Szenario würden Haushalte nicht nur punktuell mehr zahlen, sondern sich über mehrere Winter auf ein dauerhaft höheres Preisniveau einstellen müssen.
Egal welches Szenario am Ende näher an der Realität liegt: Die Ausgangslage mit vergleichsweise niedrigen Speicherständen macht den Winter 2026/27 empfindlicher für weitere Schocks. Schon ein verhältnismäßig kühler Winter kombiniert mit anhaltender Unsicherheit in der Straße von Hormus könnte die Preise nach oben treiben. So geraten im Zweifel nicht nur Gaspreise, sondern auch Angebote vieler Stromanbieter in Deutschland zusätzlich unter Druck.
Für Europa bedeutet das, dass jedes zusätzliche Prozent Speicherfüllstand zum politischen und wirtschaftlichen Sicherheitsfaktor wird. Entsprechend groß ist der Anreiz, in den kommenden Monaten zusätzliche Mengen einkaufen und einspeichern zu lassen, selbst, wenn das kurzfristig hohe Kosten verursacht. Diese Strategie sichert zwar die physische Versorgung, erhöht aber tendenziell das Preisniveau für die Verbraucher.
Für deutsche Haushalte heißt das: Die Wahrscheinlichkeit, dass Gas im Winter 2026/27 spürbar billiger ist als in der vergangenen Heizperiode, ist gering. Das Risiko, dass es teurer wird, ist in den Szenarien 2 und 3 deutlich höher als die Chance auf sinkende Preise. In dieser Dynamik sollten Verbraucher auch die Stromkosten im Blick behalten.
Planen Sie den Winter 2026/27 nicht von der Hoffnung auf sinkende Preise her, sondern von Ihrem persönlichen Sicherheitsbedarf: Rechnen Sie mit einem eher höheren Gaspreis, sichern Sie sich rechtzeitig einen verlässlichen Gastarif mit Preisgarantie und reduzieren Sie parallel Ihren Verbrauch: jede eingesparte Kilowattstunde ist in allen Szenarien eine Art private „Reserve im Speicher“.
Haushalte können die aktuelle Unsicherheit nicht aufhalten, aber sie können ihre eigene Verwundbarkeit deutlich reduzieren. Wer noch in der Grundversorgung steckt oder seit 2022 keinen Vertrag mehr angepasst hat, sollte jetzt seinen Tarif prüfen und bei Bedarf zu einem besseren Gasanbieter mit Preisgarantie wechseln. Das ist keine Spekulation, sondern als Schutz gegen unangenehme Überraschungen im Winter. Gleichzeitig lohnt es sich, den eigenen Verbrauch realistisch einzuordnen und an Stellschrauben zu drehen, die ohne großen Komfortverlust Kosten senken.
Noch wichtiger als der „perfekte Zeitpunkt“ ist dabei eine klare Linie: ein Vertrag, der zum eigenen Sicherheitsbedürfnis passt, und ein bewusster Umgang mit Energie. Wer seinen Heizenergiebedarf kennt, bewusst reduziert und regelmäßig die Angebote am Markt prüft, hat in allen Szenarien – von milder Entspannung bis schwierigen Winter – mehr Kontrolle über die eigene Rechnung als jemand, der in der Grundversorgung abwartet.
Auch die Stromtarife in Deutschland bleiben von der Hormus-Krise und den Gaspreisen nicht völlig unberührt, weil teures Gas über Gaskraftwerke mittelbar in die Stromkosten durchschlagen und damit sowohl Heiz- als auch Stromrechnung der Haushalte belasten kann.
Quellen: Tagesschau | Europäische Kommision | Deutschlandfunk | Klimareporter.de
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